Zusammenhänge sehen und richtig verstehen

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Welche der beiden folgenden Buchstabenreihen können Sie sich besser merken?

  1. ABCCNNFOXNBC
  2. ARDRTLWDRZDF

Ich vermute, dass es Ihnen wie mir ergeht: die zweite Buchstabengruppe kann ich mir leichter merken. Kein Wunder, werden Sie sagen, das sind ja lauter bekannte Abkürzungen. Aber halt! Wie kommen Sie darauf, dass DRT, TLW oder LWD bekannte Abkürzungen sind?

Übrigens, würde ich meine amerikanischen Freunde fragen, würde die behaupten, dass die erste Buchstabenreihe einprägsamer ist.

Natürlich haben beide Recht, Sie und meine amerikanische Freunde! Sie erkennen bekannte Abkürzungen und Amerikaner tun das ebenso, obwohl ich Ihnen beiden lediglich zwei Reihen à 12 Großbuchstaben präsentiert habe.

Ihr Gehirn ist in der Lage, die „Buchstabenkette“ in kleinere Einheiten zu zerlegen und diesen eine Bedeutung zuzuweisen. Im konkreten Fall wären das die deutschen TV Sender ARD, RTL, WDR, ZDF. Meine amerikanischen Freunde würden in der Buchstabenkette die TV Sender ABC, CNN, FOX und NBC erkennen.

Mustererkennung

Mir geht es hier um Mustererkennung.

Das Gehirn ist permanent auf der „Sinnsuche“. Es scannt mit Hilfe der Sinnesorgane die Umwelt und versucht sich einen Reim auf das Wahrgenommene zu machen. Wenn es auf Buchstabenabfolgen trifft, versucht es, diese irgendwie mit Sinn zu belegen.

Wie leistungsfähig die Mustererkennung unseres Gehirns ist, zeigt das folgende Beispiel:

D1353 B31S?13L Z31GT, ZU W3LCH3N GRO554RT1G3N L315TUNG3N UN53R G3H1RN F43H1G 15T!

Wir sind sogar in der Lage, Fehler auszugleichen. Hier ein weiteres beeindruckendes Beispiel. Dieser Text enthält 37 Worte, von denen nur 14 korrekt geschrieben sind. Trotzdem können Sie und ich den Text lesen und seinen Sinn verstehen:

Ehct ksras! Gmäeß eneir Sutide eneir Uvinisterät, ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wort snid, das ezniige was wcthiig ist, das der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiin snid.

Was hat das mit Ihrem Job zu tun?

Wenn Sie in Ihrem Fachgebiet sattelfest sind, vermag Ihr Gehirn Muster zu erkennen und korrekt zu interpretieren. Dazu gehören beispielsweise Marktbewegungen und Kundenverhalten. Oft reicht ein oberflächlicher Blick auf einen Sachverhalt und Sie können eine erste vorsichtige Beurteilung (Tendenz/Bauchgefühl, etc. – es gibt viele Ausdrücke dafür) vornehmen.

Seien Sie aber auf der Hut! Genau diese Fähigkeit Ihres Gehirns kann auch zu verhängnisvollen Fehlinterpretationen führen. Nicht immer entspricht Ihr erster Eindruck der korrekten Diagnose.

Das liegt daran, dass Ihr Gehirn ständig die gewonnenen Eindrücke mit Erinnerungen abgleicht. Und genau da liegt das Problem: Ein Sachverhalt mag oberflächlich einem anderen aus Ihrer Erinnerung ähneln, in Wirklichkeit aber zu einer völlig anderen Diagnose führen. Deshalb sollten Sie sich immer den genaueren und kritischeren, zweiten Blick gönnen. – Bedenken Sie: Ein Stechen in der linken Brust kann beispielsweise auf eine harmlose Wirbelblockade oder einen gefährlichen Herzinfarkt hinweisen.

Vorsicht ist geboten

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Sie ungewöhnliches Verhalten oder Handlungen von Mitarbeitenden und Vorgesetzten zu beurteilen haben und nur wenige Anhaltspunkte dafür zur Verfügung stehen. Klar, für eine erste Annäherung leistet die oberflächliche Mustererkennung wertvolle Dienste. Im Zweifelsfall sind es aber erst die vielen Indizien, die als Muster eine zutreffende Diagnose ermöglichen.