Einflussnehmen auf das Betriebsklima

Von Marian Weyo

Ich möchte das aktuelle Wetter zum Anlass nehmen, um über eine sprachliche Unschärfe zu schreiben, die ich immer wieder beobachte: Es wird umgangssprachlich kaum zwischen Wetter und Klima unterschieden. Dabei ist das Wetter weder das Klima, noch das Klima das Wetter.

Wetter ist nicht gleich Klima

Unter Wetter versteht man die heutige Wetterlage. Regnet es? Scheint die Sonne? Ist es kalt oder warm, windig oder gar stürmisch? Das Wetter ändert sich von einem Tag auf den anderen. Das heutige Wetter hat so gut wie nichts mit dem Klima zu tun. Es ist lediglich eine Momentaufnahme atmosphärischer Phänomene. Wenn es heute oder drei Monate lang besonders heiß ist, dann ist es nicht richtig, daraus eine Klimaveränderung abzuleiten.

Das Klima ist die ganzheitliche Betrachtung von vielen aufeinanderfolgenden Wetterphänomenen. Beispielsweise kann man, betrachtet man die Messwerte der vergangenen 150 Jahre, gewisse Tendenzen beobachten, die auf einen Klimawandel hindeuten. Die durchschnittliche Temperatur (aufs Jahr gerechnet) steigt langsam an.

Die Betrachtung eines längeren Zeitraums zeigt auch, dass es enorme Schwankungen in einzelnen Jahren gibt. Dieses Jahr war ein regenarmes Jahr. Ganz anders die Jahre 2016 und 2017, die teilweise überdurchschnittlich nass waren.

Wetterphänomene im Unternehmen

Wetter und Klima sind im übertragenen Sinne wichtige Themen für Menschen in Führungsverantwortung, denn auch in einem Unternehmen gibt es vergleichbare Phänomene.

Von entscheidender Bedeutung ist das Betriebsklima in Ihrem Team bzw. der Belegschaft, nicht das aktuelle „Wetter“. Stürmische oder heiße Zeiten (im Sinne von viel Arbeit) sind von Mitarbeitern gut verkraftbar, wenn das Gesamtklima stimmt.

Umgekehrt täuschen launige „Teambuilding Maßnahmen“ nicht darüber hinweg, dass das Betriebsklima eher den Charakter einer Eiszeit hat. Von einer „gut Wetter“ Momentaufnahme lassen sich kaum Aussagen über das Betriebsklima machen.

Sollten Sie in Ihrem Team oder Ihrer Belegschaft ein schlechtes Betriebsklima vermuten und das ändern wollen, müssen Sie bereit sein, ein dickes Brett zu bohren. Warum?  Nun, im Gegensatz zum Wetter ändern sich klimatische Verhältnisse auch im Betrieb nur zögerlich.

Indikatoren

Nicht jeder hat ein gutes Gespür, wenn es um die Einschätzung des Betriebsklimas geht. Deshalb habe ich nachfolgend ein paar Indikatoren zusammengestellt, die – über einen längeren Zeitraum beobachtet – bei der Bewertung des Betriebsklimas helfen. Wie gesagt, es ist eine kleine Auswahl, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt:

Angst versus Vertrauen

Fragen Sie sich: Vertrauen Ihre Kollegen einander? Herrscht Skepsis oder sogar Angst im Team? Machen Sie einen gedanklichen Selbstversuch: Wären Sie Ihrerseits bereit, Vertrauen in jemanden aus Ihrem Team zu investieren? Wenn Sie zu einem negativen Ergebnis kommen, können Sie sich fragen, ob das an einer fehlenden Fachkompetenz des anderen liegt oder daran, dass es in Ihrer Beziehung etwas gibt, das Sie zögern lässt. Letzteres wäre ein Hinweis auf Defizite, die das Betriebsklima beeinflussen können.

Ein gutes Betriebsklima zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen angstfrei und respektvoll miteinander umgehen.

Wie steht es um die Kooperationsbereitschaft? 

Wenn Menschen sich zurückziehen und dauerhaft für sich wursteln, ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass irgendetwas im Argen liegt. Mangelnde Bereitschaft zur Kooperation hat mit Angst zu tun. Es scheint sicherer zu sein, alleine zu arbeiten, als sich auf Kollegen einzulassen, denn dann muss man nicht für die möglichen Fehler anderer geradestehen.

Innovationsbereitschaft versus einem Festhalten an Bewährtem  

Wenn Sie fehlende Innovationsbereitschaft feststellen, kann das am geistigen Alter Ihrer Belegschaft  liegen (tief eingefahrene Denkspurrillen) oder aber Mitarbeiter haben schlechte Erfahrungen mit innovativen Ideen gemacht und ziehen es jetzt vor, in der Deckung zu bleiben bzw. sich auf der sicheren Seite zu bewegen.

In einer angstbesetzten Atmosphäre entsteht jedoch kein Aufbruch.

Es fängt mit Ihnen an

Ich habe es oben bereits gesagt. Wer nachhaltige klimatische Veränderungen bewirken will, wird ein dickes Brett bohren müssen. Das ist keine Angelegenheit von Tagen oder Wochen. Hier geht es um Ausdauer, und es geht darum, das neue Klima vorzuleben:

Auf die Menschen zuzugehen. Ihnen etwas zuzutrauen und ihnen zu vertrauen. Sie zu bestärken, auch wenn Fehler passieren und sich nötigenfalls vor die Mitarbeiter zu stellen. Veränderung zu feiern.