Arbeiten können – egal wo Sie sind

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Ich wende mich heute einem Thema zu, das nur indirekt mit Leiten zu tun hat. Weil es aber eine wachsende Gruppe von Menschen betrifft und ich seit einiger Zeit auch damit zu tun bekommen habe, möchte ich ein paar Gedanken dazu schreiben.

Die moderne Technik macht es möglich, dass viele Arbeiten von jedem beliebigen Platz auf diesem Globus aus erledigt werden können. Es ist oft nicht mehr zwingend nötig, im Unternehmen anwesend zu sein. Die traditionelle Vorstellung, dass man „ins G’schäft“ geht (so sagt man das in Schwaben, wenn man zur Arbeit fährt), wird durch Trends aufgeweicht, die die Arbeit beispielsweise aus dem Unternehmen nach Hause verlagern.

Im Amerikanischen hat sich der Begriff „Remote Work“ eingebürgert. Im deutschen Sprachraum spricht man von Telearbeit bzw. Teleheimarbeit. Landläufig wird diese Arbeitsform auch Homeoffice genannt.

Vorteile

Telearbeit hat bestechende Vorteile: Sie ist umweltfreundlich, weil weniger Fahrzeuge bewegt werden und so die Umwelt geschont wird.

Außerdem ist Telearbeit zeitsparend. – Gestern Nachmittag habe ich mit einer jungen Frau gesprochen, die werktäglich mindestens 2,5 Stunden unterwegs ist. Das ist verlorene, ja, verschwendete Lebenszeit! Mit der Hilfe von Telearbeit kann man wertvolle Lebenszeit und -kraft besser einsetzen.

Ein weiterer Vorteil der Telearbeit besteht darin, dass sie einem größere Flexibilität erlaubt. Ein Kollege aus meiner Redaktion schaltet manchmal um 4 Uhr morgens den Rechner an, weil er nicht schlafen kann und so in der Lage ist, Arbeit wegzuschaffen. Mir selbst hilft es, zu Stoßzeiten den Rechner abends einschalten und mich im Unternehmen einloggen zu können.

Zu guter Letzt finde ich zuhause mehr Ruhe als im Büro, wo ich ständig abgelenkt werde.

Die andere Seite der Medaille

Es gibt eine Kehrseite der Telearbeit. Sollten Sie überlegen, ob Telearbeit eine alternative Arbeitsform für Sie sein könnte, dann empfehle ich Ihnen, vor einer Entscheidung diese Nachteile in Betracht zu ziehen:

Einsamkeit

Menschen sind soziale Wesen. Sie brauchen die Begegnung mit anderen, Spaß und Reibereien eingeschlossen. Für den, der alleine wohnt, kann der dauerhafte Mangel an sozialer Interaktion zu einem ernsten Problem werden. Vor allem dann, wenn man introvertiert veranlagt ist. Die Folgen von Teleheimarbeit können Vereinsamung bis hin zu depressiven Verstimmungen sein.

Disziplin

Sind Sie ein strukturierter Mensch? Verfügen Sie über die nötige Disziplin, Ihren Tag konsequent einzuteilen und Aufgabenpakete abzuarbeiten? – Zu wissen, dass man diszipliniert sein muss, ist eine Sache. Disziplin zu leben, eine ganz andere Angelegenheit.

Out of sight, out of mind

Zu Deutsch „Nicht gesehen, schnell vergessen.“ Vor allem in klassisch strukturierten Unternehmen kann dies zur Herausforderung werden. Weil man dauerhaft nicht da ist, ist man in den Gedanken der Leute nicht präsent. Hat man Sie nicht im Blick, werden Sie schnell übersehen, vielleicht sogar übergangen.

Das Parkinson’sche Gesetz

Sicher kennen Sie das Parkinson’sche Gesetz: „Work expands to fill the time available for its completion.“ Arbeit dehnt sich aus und füllt den zur Verfügung stehenden Zeitraum.

Bedenken Sie, wenn Sie Arbeit mit nach Hause nehmen, wird diese dadurch nicht automatisch besser, weil Sie mehr Zeit einsetzen. Diese Zeit wäre besser in Regeneration investiert.

Privatsphäre und Arbeit verschwimmen

Je nach Menschentyp gelingt es mehr oder weniger, Privates und Dienstliches getrennt zu halten. Ich merke, dass ich, vor allem wenn ich müde bin, an dieser Stelle nachlässig werde und ungute Kompromisse eingehe.

Fazit

Es gibt – was Teleheimarbeit anbetrifft – kein Richtig oder Falsch. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen machen. Meine Erfahrungen sind durchwachsen, allerdings überwiegen die Vorteile.