Willkommen am Tisch

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Es war Zeit für zwei neue Sessel. Also besuchten meine Frau und ich verschiedene Möbelhäuser, um uns inspirieren zu lassen. So kam es, dass wir durch diverse Ausstellungen schlenderten und an so manchem Esstisch vorbeikamen.

Als ich vor einem besonders prachtvollen Exemplar stand, eilte gleich eine Verkäuferin herbei, um uns das gute Teil vorzuführen. Drei Handgriffe und schon konnten acht Menschen bequem um den Tisch Platz nehmen. Ich war sehr beeindruckt von dem Modell … und dem Preis.

Wann haben Sie das letzte Mal im häuslichen Rahmen mit sechs oder acht Gästen gegessen?

In der Werbung als Ideal inszeniert, findet Tischgemeinschaft zuhause in Wirklichkeit kaum statt. Klar, im Restaurant oder der Kneipe sieht man das öfters, vor allem in der Adventszeit, wenn die Kollegen miteinander feiern. Noch viel weniger passiert heutzutage etwas anderes: Es gibt kaum Familien, die gemeinsam essen. Jeder bedient sich, wenn er Hunger hat. Es scheint so, als seien gemeinsame Mahlzeiten nur noch besonderen Anlässen vorbehalten. Wie schade!

Wir leben heute in einer Zeit, in der sich die Menschen damit brüsten, vernetzt zu sein. Und tatsächlich, mehrere hundert Facebook-Freunde zu haben, ist nicht unüblich. Gleichzeitig kennzeichnet unsere Zeit eine eklatante Vereinsamung von Menschen. Der Chat per Bildschirm ersetzt nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit des Gegenübers, beispielsweise zu Tisch.

Dabei können Tische probate Mittel gegen Vereinsamung sein und damit etwas leisten, was Bildschirme nicht zu tun vermögen. Warum? Weil Tische einen Rahmen schaffen für Beziehungen und Lernerfahrungen. Man hört aufeinander, während man etwas gemeinsam tut: essen.

Dr. Len Sweet schreibt: „Familie wird an ihnen geformt, Freundschaften entstehen und werden an Tischen vertieft. Alle Tische sind gut, aber die zuhause sind am besten.“ – Ich kann das bestätigen: An unserem Familientisch – mittlerweile in wachsender Runde – fühle ich mich wohl. Hier heißen meine Frau und ich Familie und Gäste willkommen. Mehr noch, jeder, der mit uns isst, hat seinen Platz am Tisch und in unserem Leben.

Der Pädagoge Tim Elmore hat ein paar hilfreiche Hinweise für all jene, die sich schwer damit tun, ein gutes Tischgespräch in Gang zu setzen:

  1. Beginnen Sie mit Humor. Berichten Sie über ein humorvolles Erlebnis vom Tag.
  2. Eröffnen Sie das Gespräch, indem Sie über einen Höhepunkt Ihres Tages berichten und laden Sie andere ein, das ebenso zu tun.
  3. Haben Sie ein tagesaktuelles Thema in petto, das von möglichst breitem Interesse ist.
  4. Stellen Sie offene Fragen im Zusammenhang mit dem tagesaktuellen Thema. – Im Gegensatz zu geschlossenen Fragen, die man mit ja oder nein beantworten kann, führen offene Fragen ins Gespräch.
  5. Fragen Sie in die Runde, welche Lehren man daraus ziehen kann.