Vorsicht Herz!

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Ich habe ein morgendliches Ritual. Nach dem Frühstück, bevor ich zur Arbeit aufbreche, nehme ich mir Zeit für persönliche Stille. In der Regel lese und reflektiere ich einen Abschnitt aus der Bibel. Gestern kam mir dieser Vers aus dem Alten Testament in die Quere: “Behüte dein Herz mit allem Fleiß, denn daraus quillt das Leben”, Buch der Sprüche 4,23.

In der jüdischen wie christlichen Tradition ist das Herz nicht einfach eine Pumpe. Es steht symbolisch für das Zentrum des Willens, ist der Ort, wo die eigene Persönlichkeit zuhause ist.

Diesen Ort gilt es mit aller Macht zu schützen, zur Not auch mit drastischen Mitteln. Warum?

1. Es gibt übergriffige Menschen

Ich denke an Menschen, die Grenzen nicht respektieren. Sie sehen sich und ihre Pläne im Mittelpunkt und erwarten, dass sich andere nach ihnen richten. Das geschieht gerne durch Direktiven, Manipulation oder subtilen/offenen Druck.

Auch wenn ich mich von solchen Menschen wenig beeindrucken lasse, kenne ich doch viele, die an dieser Stelle zu kämpfen haben. Vor einiger Zeit schrieb mir jemand, der sich aus einer solchen Situation hatte lösen können: “Es ist einfach schön, mit Freude seiner Arbeit nachzugehen und nicht jeden Tag mit Angst und Misstrauen an die Arbeit zu gehen.” – Ich möchte nicht wissen, wie viele Menschen feststecken in dysfunktionalen Beziehungen, sei es auf der Arbeit oder im Privaten. Sie bringen die Kraft nicht auf, eine rote Linie zu ziehen und ggf. die Konsequenzen auf sich zu nehmen.

2. Viel gefährlicher sind wir selbst

Das mag zunächst einmal überraschend klingen. Aber es ist tatsächlich so. Wir sind für uns selbst das größte Problem. Genauer gesagt, unsere fehlende Disziplin.

Ich nehme ein weit verbreitetes Phänomen als Beispiel: Hassgedanken. In der Regel entstehen diese infolge wiederholter Übergriffe oder erlebter Nachteile und einer empfundenen Machtlosigkeit. Anstatt die Situation zu konfrontieren, also proaktiv damit umzugehen, verfällt man in reaktives Verhalten. Man zieht sich auf “sicheres” Territorium zurück, lässt dem Kopfkino freien Lauf und versucht auf diese Weise das zu kompensieren, wozu man im realen Leben (warum auch immer) nicht bereit ist.

Diese Disziplinlosigkeit wird mit der Zeit zum Problem. Wie ein versotteter Kamin, der die giftigen Abgase der Heizung in die Wohnung dringen lässt, bewirkt die vergiftete Gedankenwelt, dass sie mein restliches Leben beeinflusst. Die Folge: Bitterkeit, Antriebslosigkeit, innere Kündigung, ein gespaltenes Leben – das Gegenteil von Integrität.

3. Was zu tun ist

Ich bin ein Mensch mit einer blühenden Fantasie. Sicher war das ein Grund, warum ich über dreißig Jahre in kreativen Berufen unterwegs war. Bei allem Segen hat diese Begabung auch ihre Schattenseiten: Ich kann Kopfkino in Farbe und 3D. Deshalb muss ich an dieser Stelle besonders achtsam sein.

Man kann unterschiedliche Strategien entwickeln. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Weil ich ein “schriftlicher Mensch” bin, mir Zusammenhänge dadurch klar werden, indem ich sie niederschreibe, wähle ich diesen Weg.

Bei mir ist das auch schon “die halbe Miete”. Dann kommt eigentlich nur noch die konsequente Umsetzung von Disziplin. An dieser Stelle bin ich recht kreativ. Ich suche mir Tätigkeiten, die mich augenblicklich ablenken. Ein Beispiel: Längere Autofahrten oder die Stunden im Fitness Center sind für mich Orte, an denen ich für destruktives Kopfkino besonders anfällig bin. Wenn ich also alleine mit dem Auto fahre oder Sport treibe, dann widme ich mich einem Hörbuch oder einem Podcast. Hauptsache, es ist etwas, das mich gedanklich fesselt.

Frage: Haben Sie einen Tipp für mich? Was unternehmen Sie, um destruktive Gedanken auszuschalten?