So beschränken Sie Ihren Wirkungsgrad

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Was eine Führungskraft in ihrer Wirkung einschränkt, sind nicht begrenzte Mittel, ein Mangel an Ideen oder schwierige Märkte, in denen es sich durchzusetzen gilt. Es ist etwas anderes, viel Grundsätzlicheres:

Die Wirkung einer Führungskraft wird durch das Zögern bzw. Hinausschieben von schwierigen Entscheidungen begrenzt.

Die fehlende Bereitschaft, eine schwierige Entscheidung zu fällen, quasi in den Ring zu steigen und sie anschließend konsequent durchzuboxen, ist ein weit verbreitetes Phänomen. Dazu ein Beispiel aus meinem eigenen Erleben.

Ein Beispiel

Ich war vor einigen Jahren zum Vorstandsvorsitzenden einer gemeinnützigen Organisation gewählt worden. Motiviert und voller Tatendrang machte ich mich ans Werk. Ich gab mir große Mühe, mein Führungsteam mitzunehmen, was auch gelang. Allerdings spürte ich irgendwann, dass sich unsichtbarer Widerstand in der Organisation zu formen begann, nicht offen, sondern im Verborgenen. Weil es sich um eine ehrenamtliche Tätigkeit handelte und ich mit meinen Kräften haushalten musste, ließ ich die Entwicklung schleifen – ein Fehler, den ich später bereut habe. Ich sage es bewusst pointiert: Anstatt ein Ende mit Schrecken herbeizuführen, indem ich bestimmte Personen mit deren Handeln und Verhalten konfrontierte und ihnen Einhalt gebot, entwickelte sich ein Schrecken ohne Ende. Heute weiß ich, es wäre besser gewesen, gleich und energisch jene zu stellen, die seinerzeit „Politik“ betrieben hatten. Unglücklicherweise tat ich es damals nicht. Warum auch immer.

Meine 4 Tipps

Aus der kritischen Reflexion rate ich heute Menschen in ähnlicher Situation:

  1. Erstellen Sie eine Liste aller Vor- und Nachteile dessen, was passieren könnte, wenn Sie eine bestimmte Entscheidung fällen. Seien Sie ehrlich, notieren Sie auch Ihre Ängste. Ein Bekannter sagte mir einmal: Das Gute an dieser Liste ist, dass die aufgeschriebenen Konsequenzen nur selten eintreffen. Das Schlechte an ihr ist aber, dass Dinge passieren, die nicht aufgelistet wurden.
  2. Notieren Sie, was voraussichtlich passieren wird, wenn Sie keine Entscheidung treffen. Halten Sie sich die unterschiedlichen Szenarien vor Augen und überlegen Sie: Wollen Sie das?
  3. Fragen Sie sich, ob die zu treffende schwierige Entscheidung Ihre (vermutete) Popularität kompromittieren könnte. Vermutlich wird dies der Fall sein. Oft liegt in einer (mehr oder weniger) versteckten Menschenfurcht der wahre Grund des eigenen Zauderns. – Dahinter steckt auch die Tatsache, dass wir alle geliebt werden wollen.
  4. Schreiben Sie zum Schluss das auf, was an positiven Ergebnissen infolge einer beherzten Entscheidung entstehen könnte.