Nachhaltiger Führungserfolg einmal anders

Dieser Tage lauschte ich einem hoch interessanten Gespräch zwischen Carl George und Warren Bird. Ein Satz ließ mich aufhorchen. Hier zunächst in Englisch, danach die deutsche Übersetzung:

„Real leadership is measured in terms of the leader’s grandchildren.“ –  Wahre Führungsqualität wird an den Enkeln des Leiters festgemacht.

George und Bird stellten fest, dass nachhaltiger Führungserfolg am besten am Verhalten der übernächsten Generation bzw. Führungshierarchie festgemacht werden kann. Mit anderen Worten: Es geht nicht nur darum, wie ich die Führungskräfte in meinem direkten Umfeld präge, sondern wie die nächste Generation bzw. Hierarchiestufe – quasi indirekt – durch mich beeinflusst wird.

Das wird nur dann geschehen, wenn die mir direkt unterstellten Personen das verinnerlicht haben, was mir ein Herzensanliegen ist. Denn nur dann, wenn sie es sich wirklich zu eigen gemacht haben, werden sie selber in meinem Sinne prägend wirken.

Diese Entdeckung wurde interessanterweise im kirchlichen Kontext gemacht, lässt sich aber ohne weiteres auf jede beliebige Firma anwenden.

Vielleicht kennen Sie den Spruch: Der Vater baut die Firma auf, der Sohn verwaltet sie und der Enkel studiert Kunstgeschichte. – Ein beredtes Zeugnis für den Wahrheitsgehalt der These.

Übrigens, für diese These lassen sich viele historische Beispiele sichten: Nur selten gelang es beispielsweise einem König in der Bibel, seine Söhne derart zu prägen, dass deren Kinder aus freien Stücken das Richtige taten. Selbst dem gefeierten König David, dem wir Psalm 23 und viele andere literarische Kostbarkeiten zu verdanken haben, gelang es nicht, seinen Sohn Salomon derart zu prägen, dass Rehabeam, Davids Enkel, kluge Führungsentscheidungen zu treffen vermochte.

Warum mir dieser Ansatz gefällt

„Wahre Führungsqualität wird an den Enkeln des Leiters festgemacht“, heißt auch: Ob und wie weitgehend meine Vorstellungen umgesetzt werden, kann ich nicht zweifelsfrei am Konferenztisch feststellen. Dafür lässt sich das beim Umgang meiner Führungskräfte mit deren Mitarbeitern beobachten.

Gut daran ist, dass ich mich also nicht auf das verlassen muss, was ich von meinen direkt Unterstellten erfahre. Die Wirkung meiner Worte bzw. meines Beispiels kann ich am Verhalten der nächsten Generation/Hierarchiestufe ablesen.

Das wiederum bedeutet, dass ich mit wachen Ohren in die Organisation hineinhorchen und mögliche Dissonanzen sensibel aufnehmen muss.

Warum das wichtig ist

Managementguru Peter Drucker sagte einmal: „Culture eats strategy for breakfast.“ – „Unternehmenskultur verspeist Strategie zum Frühstück.“  Wenn also meine strategischen Pläne nachhaltig Wirkung entfalten sollen, muss die Unternehmenskultur, für die ich als Führungsperson verantwortlich bin, ebenso nachhaltig von mir gelebt und weitergegeben werden.

Ganz nebenbei: Menschen lernen vom gelebten Beispiel besser als von motivierenden Ansagen.

Kein Quick Fix

Nach meinem Dafürhalten ist dieser Ansatz langfristiger Natur. Er erfordert von mir die Bereitschaft, mich über längere Zeit in Menschen zu investieren und das mit dem Wissen, dass vieles davon vergeblich sein wird.

Unsere Geschichte kennt positive Beispiele für die These von George und Bird: Handwerksmeister prägen so ihre Auszubildenden. Richtig vorgelebt, werden die Lernenden später anderen jungen Menschen das weitergeben, was sie selbst zu schätzen gelernt haben.

Frage: Wie können Sie sicherstellen, dass Ihre Enkel/dritte Führungsebene die Kultur leben, die Ihnen wichtig ist?