Lebensmutig

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Eine folgenreiche Diagnose

Erwin McManus erhielt im vergangenen Jahr, wenige Tage vor Weihnachten, eine schreckliche Diagnose. Krebs. Von ihm stammt ein Satz, der mich – seitdem ich ihn gehört habe – nicht mehr loslässt:

“You won’t be afraid to die if you haven’t been afraid to live.” – Du wirst keine Angst vor dem Sterben haben, wenn du keine Angst vor dem Leben hattest.

Einen so weitreichenden und kontroversklingenden Satz würde nicht von jedem annehmen.  Wenn ich aber weiß, dass er erlitten und erkämpft wurde infolge einer schweren Krankheit, so wie bei Erwin McManus, dann ist dies etwas Anderes. Deshalb hier ein paar Gedanken dazu.

Keine Angst vor dem Leben

Noch einmal: „Du wirst keine Angst vor dem Sterben haben, wenn du keine Angst vor dem Leben hattest.“

Ich habe mich gefragt: Wie ist das mit mir? Könnte ich das so unterschreiben? Lebe ich – wirklich?

Mir diese Frage ehrlich zu beantworten, ist keine ganz einfache Sache. Andererseits ist es ja so, dass man solch einen dramatischen Einschnitt im Alltag auch als Chance begreifen kann, sich mit Themen bewusst zu beschäftigen, denen man sonst lieber aus dem Weg geht. Also packe ich es an, stelle mir die Frage nach dem „wirklich leben“.

Das Erste, was mir auffällt: Mit dem „wirklich leben” ist das so eine Sache. Häufig fühle ich mich eingekeilt zwischen Verantwortung und vielfältigen Erwartungen, die an mich herangetragen werden. Ganz zu schweigen von eigenen Bedürfnissen, die sich irgendwann auch Gehör verschaffen!

Der Schlüssel

Vielleicht liegt der Schlüssel zum „wirklich leben“ darin, sich auf das „Warum” zu konzentrieren. Ich meine hier nicht das „kleine” Warum, das konkrete Handlungen begründet, sondern das „grundsätzliche”, das nach der großen Linie des Lebens und Wirkens fragt.

Warum lebe ich so, wie ich lebe? Will ich jemandem (und sei es ich mir selbst) etwas beweisen? Habe ich einfach nicht nachgedacht, mich treiben lassen, bin also mehr oder weniger zufällig in diesen Lebensumständen gelandet?

Warum verfolge ich einen bestimmten beruflichen Kurs? Warum hänge ich mich so sehr rein? Wird die Arbeit ohne mein Engagement etwa nicht gelingen oder giere ich heimlich nach der Anerkennung der anderen? Bin ich tatsächlich so unentbehrlich, wie ich meine?

Nichts für Feiglinge

Irgendwer hat einmal gesagt: Altwerden ist nichts für Feiglinge. Stimmt. Aber ich möchte diesen Satz ausweiten: Ich glaube inzwischen, „wirklich leben“ ist nichts für Feiglinge. Jedenfalls dann nicht, wenn ich mich heraustraue aus den Spurrillen meiner Routine und neue Wege beschreite. Dann aber, wenn ich Neues erkunde, ist „wirklich leben“ nicht weit.

Das möchte ich Ihnen heute ans Herz legen: Halten Sie an dem großen Warum fest! Lassen Sie nicht eher locker, bis Sie eine zufriedenstellende Antwort gefunden haben. Und wenn Sie diese dann kennen, dann setzen Sie das, was Sie erkannt haben, beherzt um. Sie sind sich das schuldig.