Erntedank revisited

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Sonntag vor einer Woche war Erntedankfest. Ich hatte das Vorrecht, in einer evangelischen Freikirche in Wetzlar zu predigen. Der Gabentisch war reich gedeckt, der Gottesdienstraum voller Menschen. Jeder hatte etwas mitgebracht. Zur Freude aller Dortmund-Fans gab es sogar Pringles mit BVB-Logo! Wie jedes Jahr wurden nach dem Gottesdienst die Gaben der heimischen Tafel gespendet werden. – Eine schöne Tradition, finde ich: Vom eigenen Überfluss abgeben und so Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, unterstützen.

Bei der Vorbereitung meiner Predigt kam ich ins Nachdenken über verschiedene Dinge. Das Gesetz der Ernte beispielsweise, ging mir durch den Kopf. Dieses „Gesetz“ enthält vier wichtige Teilaspekte:

1. Ich ernte, was ich gesät habe

Wenn ich Weizen säe, wachsen weder Gurken noch Hafer. Gleiches gilt für mein Leben. Ob Liebe, Konkurrenzdenken oder Gleichgültigkeit, was ich heute säe, wird morgen und übermorgen aufgehen!  Frage: Will ich wirklich ernten, was ich heute säe?

2. Der Boden produziert Ertrag: Unkraut oder Nutzpflanzen

Auch hier gilt: Meine Entscheidung hat Auswirkungen. Bin ich passiv, wird irgendetwas sprießen, handle ich bewusst und zielgerichtet, wächst das, was wachsen soll. – Wenn ich nichts unternehme, ist der Rasen hinter meinem Haus voller Löwenzahn. Und das ohne mein Zutun in nur wenigen Wochen.

3. Meine Ernte steht im direkten Zusammenhang mit der Sorgfalt, mit der ich den Boden bearbeitet habe

Pflügen, eggen und düngen haben direkt mit dem zu erwartenden Ertrag zu tun. Sie haben das Potenzial, den Ertrag des Ackers zu vervielfachen. Aber das erfordert Einsatz, Mühe und Fleiß. Mein vorausschauendes Handeln hat Auswirkungen!

4. Wenn ich sparsam säe, werde ich wenig ernten

Säen, übersetzt: investieren, gehört dazu. Jeder Bauer kennt das: Noch während er auf dem Acker die Saat ausbringt, versammeln sich Vogelschwärme auf dem Feld und futtern einen Teil des Samens weg. Will der Bauer im nächsten Jahre trotzdem eine gute Ernte einfahren, darf er nicht aufgeben. Er muss trotz dieser Widrigkeiten investieren. Der Ernteertrag hängt davon ab.

Für meinen Verantwortungsbereich heißt das:

Als Führungskraft muss ich mir das immer wieder vor Augen halten, dass das Gesetz der Ernte in allen seinen Facetten sowohl nach innen, wie nach außen gilt, für Mitarbeiter ebenso wie für Kundenbeziehungen.

Ein weiterer Gedanke

In meiner Predigtvorbereitung wurde mir aber noch ein zweiter Gedanke wichtig: Was will ich überhaupt ernten? Wenn ich einmal auf mein Leben zurückschaue, will ich es dankbar tun können. Mit anderen Worten: Ich will Lebensqualität ernten.

Ich habe festgestellt, dass materielle Güter zwar ihre Bedeutung haben, diese jedoch deutlich geringer ist als man zunächst meint. Erfüllende Beziehungen, beispielsweise, sind viel wichtiger. Mir bedeutet der Austausch mit Menschen viel. Dazu gehören Freunde und Familie, aber auch Kollegen am Arbeitsplatz. Und dann ist da noch die spirituelle Dimension, in meinem Fall der christliche Glaube, der zur Lebensqualität beiträgt. – Vielleicht geht es Ihnen ähnlich?

Die Fragen, die sich mir aufdrängen, lauten: Was ist mir letztlich wichtig und wie bereite ich meinen „Lebensacker“ so vor, dass er das Wachstum der Aussaat und damit den erhofften Ertrag optimal unterstützen kann?