Angst vorm Chef? Muss nicht sein

Foto: CC0 Creative Commons / pixabay

Angst ist ein sehr realer Begleiter vieler Menschen. Es gibt viele Gründe für handfeste Sorgen: Angst vor dem Versagen, einer unsicheren Zukunft oder einer falschen Entscheidung, Angst vor dem Chef oder der eigenen Courage. Aber auch sportliche Abgabefristen oder Unsicherheiten bei der Bewältigung von Aufgaben können Menschen zusetzen.

Bei einer Studie gaben 75 % der Befragten an, dass berufliche Ängste ihr Privatleben beeinträchtigen würden. 70% berichteten von gesundheitlichen Problemen in Form von Schlaflosigkeit oder Essstörungen.

Es soll tatsächlich Vorgesetzte geben, die Angst als Führungswerkzeug nutzen. Mithilfe von zweideutigen Äußerungen, beispielsweise, oder indem sie subtile Drohszenarien aufbauen, versuchen sie ihre Mitarbeiter bei der Stange und somit gefügig zu halten. Manchmal bedienen sie sich durchdringender Blicke, die verunsichern sollen.

Das kann man machen. Aber es empfiehlt sich nicht. Menschen, die in einer Angstkultur arbeiten müssen, bleiben unter ihren Leistungsmöglichkeiten. Außerdem sind sie nicht sonderlich loyal.

Was können Sie tun, um Mitarbeitern die Angst zu nehmen, ohne sich anzubiedern? Nachfolgend ein paar ausgewählte Impulse:

1. Die Angst, nicht gehört oder verstanden zu werden

Wenn jemand Sie um ein Gespräch bittet, schalten Sie bewusst den Monitor aus und das Telefon auf stumm. Alleine diese kleine Geste kommuniziert dem Anderen: Der Chef ist jetzt ganz Ohr. Ich und mein Anliegen genießen jetzt Priorität.

Schauen Sie Ihrem Gegenüber freundlich in die Augen. Machen Sie sich Notizen und fassen Sie das Anliegen mit eigenen Worten zusammen. Sie vermitteln aktives Zuhören und bauen der Angst vor, nicht verstanden zu werden.

2. Handeln Sie im Einklang mit Ihren Werten

Sollten Sie unsicher sein, ob Ihr Gegenüber Ihre Werte kennt, kann ich Sie beruhigen. Die haben Sie längst durch Ihre Taten mitgeteilt. Jeder in Ihrem Team bzw. Ihrer Abteilung kennt Ihre Werte. – Glauben Sie es mir, es ist wirklich so, dass Personen, die Verantwortung tragen, zunächst an ihren Taten gemessen werden. Wie heißt es so treffend: „Ich höre nicht, was du sagst, weil deine Taten so laut sprechen.”

Glauben Sie mir, der Einklang von Worten und Taten baut Angst ab.

3. Seien Sie klar in dem, was Sie sagen

In dem Moment, in dem Sie den Raum für Interpretation öffnen, wird Ihr Gegenüber das nutzen und Ihre Worte deuten. Da die Folie, auf der die Deutung erfolgt, weitgehend außerhalb Ihrer Einflussmöglichkeiten liegt, sollten Sie sich angewöhnen, unmissverständlich zu kommunizieren.

Die meisten Mitarbeiter möchten gute Arbeit leisten.  Indem Sie klar kommunizieren, reduzieren Sie die Angst Ihrer Mitarbeiter, dass diese Sie als Chef missverstehen könnten.

4. Bauen Sie eine Beziehung auf

In der Bibel finden Sie einen interessanten Satz:  Im 1. Johannesbrief 4,18 steht: „Die Liebe vertreibt alle Angst.“ – Die Rede ist nicht von Gefühlsduselei oder romantisch-erotischer Liebe, sondern von einer bewussten Entscheidung, den anderen mit Wohlwollen zu sehen und ihn entsprechend zu behandeln. Diese Art von Liebe vertreibt tatsächlich die Angst.

Menschen, die frei von Angst arbeiten können, sind kreativer, mutiger, produktiver und gesünder. Sie sind außerdem leistungsfähiger.

Was Vorgesetze oft vergessen

Ist Ihnen bewusst, dass all diese positiven Eigenschaften auf Sie zurückfallen?  Warum? Ganz einfach, weil es auffällt, dass Sie mit einem leistungsfähigen Team unterwegs sind. Man wird genauer hinschauen und irgendwann feststellen, dass Sie es sind, der den Raum gestaltet hat, in dem Ihr Team erfolgreich arbeitet.

Kann es ein größeres Kompliment für eine Führungskraft geben, als dass sie Entfaltung und Erfolg von fähigen Mitarbeitern ermöglicht und gesteuert hat?